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Payment Gateway versus Payment Processor: Unterschiede, Beispiele, und wann sie relevant sind

Wissensdatenbank11 min lesen
Payment Gateway versus Payment Processor: Unterschiede, Beispiele, und wann sie relevant sind

Payment Gateway und Payment Processor werden in Verträgen oft synonym verwendet, sind aber zwei unterschiedliche Funktionen. Das Gateway ist die technische Schicht, die Zahlungsdaten erfasst und verschlüsselt. Der Processor führt die Autorisierung, das Clearing und das Settlement technisch aus. Wer beide trennt, liest seinen PSP-Vertrag richtig und verhandelt besser.

Dieser Leitfaden klärt die Unterschiede mit deutschen Beispielen, zeigt wie Acquirer und Händlerkonto hineinpassen, rechnet eine 100-EUR-Transaktion sauber durch, und erklärt, warum die Unterscheidung bei Krypto-Zahlungen in sich zusammenfällt.

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Die Kurzantwort

Ein Payment Gateway ist die Software, die am Checkout Zahlungsdaten einsammelt, verschlüsselt und in ein standardisiertes Nachrichtenformat übersetzt. Ein Payment Processor ist der Dienst, der diese Nachricht entgegennimmt, an das Kartenschema oder die SEPA-Infrastruktur weiterreicht, die Antwort abholt und anschließend Clearing und Settlement technisch ausführt.

In einem modernen Full-Stack-Anbieter wie Stripe, Adyen oder Worldline sind Gateway und Processor dasselbe Unternehmen. In klassischen Setups, etwa einem deutschen Mittelständler mit Computop als Gateway und Concardis als Processor, sind es zwei Verträge und zwei Gebührenstufen. Bei Krypto verschwindet die Trennung ganz: ein CASP übernimmt beides auf einmal, weil keine Kartennetzwerke mehr im Spiel sind.

Was ein Payment Gateway konkret leistet

Das Gateway ist die "vordere Tür" der Transaktion. Es sieht den Käufer direkt und ist für die Datenhygiene zuständig.

  • Datenerfassung. Kartenfelder, Wallet-Button, SEPA-Mandat oder Krypto-Invoice im Checkout.
  • Tokenisierung. Umwandlung der PAN in ein Netzwerk-Token nach Visa Token Service oder Mastercard MDES, damit Sie in PCI DSS SAQ-A bleiben.
  • 3DS2 und SCA. Auslösen der Authentifizierung nach PSD2 in risikobasierten oder Challenge-Flows.
  • Nachrichten-Übersetzung. Verpacken der Autorisierungsanfrage in ISO 8583 oder ein proprietäres Format und Weiterreichen an den Processor.
  • Webhooks und Reporting. Ereignisse an Shop und ERP, Retourentabellen, Disputes-Feed.

Typische Gateway-only-Anbieter in Deutschland sind Computop (als Pure-Play-Gateway), Pay.com und historisch Saferpay (heute Worldline). Moderne PSPs wie Mollie, Stripe und Adyen bündeln das Gateway mit allem Weiteren.

Was ein Payment Processor konkret leistet

Der Processor ist das "Maschinenraum"-System hinter dem Gateway. Er hat die Anbindung an die Schemen und an die Bankenwelt, fährt die großen Batches und verbucht das Geld technisch.

  • Schema-Routing. Weiterleitung an Visa-Net, Mastercard Banknet, American Express Global oder SEPA-Netze (EBA CLEARING, TIPS).
  • Autorisierungsmanagement. Entgegennahme der Issuer-Antwort, Retries, Stand-in-Processing bei Ausfällen.
  • Clearing. Erstellung und Verarbeitung der Netto-Dateien, Abgleich von Autorisierungen und Presentments.
  • Settlement. Auszahlung an den Acquirer, abzüglich Interchange, Scheme-Fees und eigener Marge.
  • Dispute- und Chargeback-Handling. Schema-konforme Bearbeitung von Rückbuchungen über Retrieval, Representment und Arbitration.

Typische Processor-Rollen in Deutschland füllen Nets (heute Nexi Group), Worldline und Adyen aus. Bei Instant-Erwartungen im SEPA-Raum übernimmt TIPS der EZB die Clearing-Funktion.

Vier Rollen nebeneinander: Gateway, Processor, Acquirer, Händlerkonto

Ein PSP-Vertrag enthält typischerweise alle vier Rollen, auch wenn sie in einer Rechnung verschmelzen. Die Tabelle zeigt, wer was tut und wer die Gebühr abgreift.

RolleAufgabeTypische GebührBeispiel DE
GatewayErfassen, Verschlüsseln, 3DS2, Webhooks0,05 bis 0,15 EUR pro TransaktionComputop Paygate
ProcessorRouting, Autorisierung, Clearing, Settlement0,1 bis 0,3 % je VolumenNexi, Worldline, Adyen
AcquirerHält den Händlervertrag, reicht SEPA-Gelder weiter, trägt Chargeback-Haftung0,3 bis 1,0 % je Volumen plus MargeUnzer, Deutsche Bank, Stripe Payments Europe
HändlerkontoKonto für den Gelderzugang vor Auszahlung auf Ihr GeschäftskontoMeist im Acquirer-Tarif enthaltenMID-Konto oder PSP-Collecting

Einzelne Positionen sind verhandelbar. Wer die Rollen sauber trennt, kann gezielt an Interchange++ heranrücken und den Blended-Aufschlag senken.

Rechenbeispiel: 100 EUR Kartentransaktion in Deutschland

Der Kunde zahlt 100,00 EUR mit einer deutschen Visa-Debit am Checkout eines deutschen Händlers. Auf einem Interchange++-Tarif sieht der Settlement-Report am Folgewerktag so aus:

PositionBetrag
Bruttoumsatz100,00 EUR
Interchange (reguliert, EU-Consumer Debit: 0,2 %)-0,20 EUR
Scheme-Fee Visa (ca. 0,1 %)-0,10 EUR
Processor- und Acquirer-Marge (z.B. 0,6 %)-0,60 EUR
Gateway-Pauschale-0,10 EUR
Gutschrift an den Händler (T+1 SEPA)99,00 EUR

Zum Vergleich dieselben 100,00 EUR als USDC-Zahlung auf Base über GatewayCrypto: Gateway-Gebühr rund 0,70 EUR, Netzwerkgebühr unter 0,05 EUR, SEPA-Auszahlung der konvertierten 99,25 EUR am selben oder Folgewerktag. Kein Interchange, kein Scheme-Fee, kein Chargeback-Risiko. Bei Amex-Karten oder Cross-Border-Karten würde die Differenz deutlich größer ausfallen.

Warum die Trennung bei Krypto-Zahlungen zusammenfällt

Im Krypto-Zahlungsverkehr gibt es keine Kartenschemen und keine Interbank-Clearing-Netze. Es gibt eine öffentliche Blockchain und einen MiCAR-lizenzierten CASP, der den Rest erledigt.

  • Eine Rolle, ein Vertrag. Der CASP ist Gateway, Processor und Settlement-Dienstleister in einem. Gebühren werden als einziger Prozentsatz plus Netzwerkgebühr ausgewiesen.
  • Keine Acquirer-Schicht. Es gibt keine Issuer- oder Acquirer-Bank. Die Blockchain selbst ist die Clearing-Infrastruktur.
  • Keine Chargebacks. Damit entfällt eine ganze Gebühren- und Risikokategorie. Für Geschäftsmodelle mit hoher Karten-Disputes-Quote ist das allein den Wechsel wert.
  • Regulatorik neu verteilt. Statt PCI DSS und Kartennetzregeln gelten MiCAR, GwG, TFR (Travel Rule ab 1.000 EUR) und DORA. Der CASP hält die Lizenz bei der BaFin oder einer anderen EU-Behörde.

Praktisch heißt das: Ein B2B-Händler, der heute über Computop plus Concardis abrechnet, braucht für Krypto nur einen einzigen Vertrag mit einem CASP. Weniger Schnittstellen, weniger Gebührenschichten, klarere Reconciliation.

Weniger Verträge, sauberer Stack

Gateway und Processor in einem: MiCAR-konform, SEPA-fähig.

GatewayCrypto deckt bei Krypto-Zahlungen alle vier Rollen in einem Vertrag ab. Sie behalten Ihr bestehendes Karten-Setup und ergänzen den Krypto-Kanal ohne zusätzliche Acquirer-Verhandlung.

  • Eine Gebühr, keine versteckten Schichten. Prozentsatz plus Netzwerkgebühr, klar im Vertrag.
  • SEPA- und SEPA-Instant-Payout. EUR-Gutschrift auf Ihr Geschäftskonto, DATEV-konformer Export.
  • Deutschsprachige Verträge. Onboarding und Compliance mit deutschen Ansprechpartnern.
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Häufig gestellte Fragen

Ja, das ist heute der Standard. Stripe, Adyen, Mollie und Worldline bieten Full-Stack. Der Nachteil: Sie können das Routing nicht selbst steuern. Größere Händler nutzen daher Orchestration-Layer wie Primer oder Yuno, die mehrere Processor parallel ansteuern.

Weder noch. Rechtlich haftet der Acquirer gegenüber dem Schema und reicht die Haftung vertraglich an Sie als Händler weiter. Gateway und Processor sind technische Schichten. Bei 3DS2-konformer SCA verschiebt sich die Haftung teilweise auf den Issuer.

Ja. Ein SEPA-Processor (häufig identisch mit dem Karten-Processor beim selben PSP) verarbeitet Mandate, erzeugt die SDD-Dateien und reicht sie an Ihre Hausbank ein. Die Clearing-Infrastruktur ist EBA CLEARING STEP2 oder TIPS für SEPA Instant.

Interchange++ weist die drei Gebührenschichten getrennt aus: Interchange (an den Issuer), Scheme-Fee (an Visa/Mastercard), und Processor-/Acquirer-Marge. Ein Blended-Tarif fasst alles in einem Satz zusammen, meist teurer. Ab ca. 100.000 EUR Monatsvolumen lohnt Interchange++.

Nein. Die Blockchain ersetzt das Schema- und das Acquirer-Netz. Sie brauchen einen MiCAR-lizenzierten CASP, der Verwahrung, Exchange und SEPA-Auszahlung zusammenführt. Ein klassischer Kartenvertrag ist für den Krypto-Kanal überflüssig.

Nur bei Pure-Play-Gateways wie Computop, die mehrere Processor anbinden. Bei Full-Stack-PSPs sind beide gekoppelt, ein Wechsel des Processors bedeutet faktisch einen Wechsel des gesamten Anbieters. Orchestration-Layer machen das flexibler.

Klarna und PayPal sind vollwertige PSPs mit eigener Lizenz, eigenem Risikomodell und eigenem Settlement. Apple Pay und Google Pay sind Wallet-Layer: sie liefern den Token, die eigentliche Autorisierung läuft weiterhin über Ihren Karten-Processor. Gebührenstruktur unverändert.

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